Auf der Suche nach neuen, weiterführenden Ausdrucksmöglichkeiten für seine künstlerischen Anliegen baute der Pionier der Glaskunst Volkhard Precht 1963 mit Rat und Unterstützung erfahrener Glasmacher und Techniker aus den heimischen Glashütten einen kleinen Ofen – den ersten Studioglasofen Europas. Nur ein Jahr zuvor, 1962, war in den USA das erste Modell eines Studioschmelzofens entstanden. Die so geborene Studioglasbewegung bahnte sich in den folgenden Jahrzehnten ihren Weg um die Welt.
Es ist schwer, eine trennscharfe Definition von „Studioglas“ zu finden. Wurde anfangs jede Art funktionsfreier und künstlerisch neuartiger Glaskunst als Studioglas bezeichnet, trifft der Ausdruck eigentlich nur auf eine bestimmte Strömung zu: nämlich jene, die am eigenen Studioofen durch den Künstler oder Kunsthandwerker nach dessen Entwürfen ausgeführt wird. Als zentrales Definitionskriterium hat sich somit der eigene Ofen entwickelt.
Erstes Modell eines Studioschmelzofens. Die amerikanische Studioglasbewegung nimmt ihren Anfang.
Volkhard Precht baut den ersten Studioglasofen Europas – unabhängig, ohne Kenntnis der US-Entwicklungen.
Eben diese neue Art und Weise, als Glasgestalter am Ofen mit heißem Glas eigenständig umzugehen, begründete auch Volkhard Precht 1963, als er sich entschloss, einen eigenen kleinen Glasschmelzofen für seine weitere künstlerische Tätigkeit zu bauen. Er war damit der erste Glaskünstler auf europäischem Boden – im Gegensatz zu anderen europäischen Glaskünstlern wusste er allerdings nichts von den Entwicklungen in den USA. Diese Situation war der politischen Weltlage in den 1960er Jahren geschuldet.
1962 wurde er „Kunstschaffender im Handwerk“. Von 1963 an entstanden erste Arbeiten am erbauten Studioofen. Mit den entstandenen Gefäßen bewarb sich Precht beim Verband Bildender Künstler – 1966 wurde er Vollmitglied. Er fand sowohl in der DDR als auch international Anerkennung.
Das Werk Volkhard Prechts ist durch eine Vielzahl von Entwicklungslinien und Schaffensperioden gekennzeichnet. Von Materialkompositionen aus Glas und Kupfer bzw. Messing über Fadengläser und die sogenannten Waldgläser, über kubische Gläser und Glasplastiken bis hin zur Zwischenschichttechnik und letztlich zur Glasfolientechnik reichen seine Schöpfungen. Die Glasfolientechnik wurde schließlich zu seinem Hauptgestaltungsmittel.
Eine Vielzahl von Entwicklungslinien prägte sein Werk – von den frühen Materialkompositionen bis zur Glasfolientechnik:
Materialkompositionen (Glas & Kupfer/ Messing)
Fadengläser
Waldgläser
Kubische Gläser
Glasplastiken
Zwischenschichttechnik
Glasfolientechnik
Der anhaltende Erfolg Volkhard Prechts auf der nationalen und internationalen Ebene erbrachte im Laufe der Zeit einige Nachahmer – sowohl in der einheimischen Umgebung als auch in beiden deutschen Staaten. In Lauscha arbeiteten sich andere Glasmacher und Glasbläser sukzessive in diese Materie ein.
Hartmut Bechmann
Verwirklichte 1972 seinen Traum vom eigenen Ofen, um eigene Gemengesätze zu schmelzen und seine technischen Möglichkeiten zu erweitern – vor allem mit Kombinationstechniken.
Günter Knye
EIGENER STUDIOOFEN SEIT 1980
Ulrich Precht
AM VÄTERLICHEN OFEN SEIT 1983 · BURG GIBICHENSTEIN
Schuf Kunstwerke mit dynamischen Farbströmungen und leuchtender Farbklarheit von assoziativer Expressivität.
Arbeitete seit 1963 am Ofen mit opaken, pastellfarbigen Infängen durch das Einschmelzen dünner Metalldrähte und fasriger Gewebe zwischen den Schichten.
Susanne Precht
BURG GIBICHENSTEIN · ARCHITEKTUR & JAPAN
Suchte in enger Bezogenheit auf die Architektur den dekorativen Ausdruck. Gefäße gemeinsam mit Ehemann Ulrich, beeinflusst von japanischen Einflüssen und malerischen Reisen.
Verlegte sich vorwiegend auf Gefäßgestaltungen mit farbigen Einschmelzungen zwischen den einzelnen Schichten – collageartige, bildhafte Kompositionen.
Last, not least ist Michael Drews mit seinen eigenwilligen Kunstwerken zu erwähnen – ein weiterer Künstler, der die Lauschaer Studioglasbewegung bereicherte.
„Seit sechs Jahrzehnten hat sich Studioglas in Lauscha entfaltet. Damit konstituierte sich der künstlerische Kontrast zwischen freier, individueller Glasgestaltung und der wissenschaftlich fundierten Gestaltungsarbeit des Glasdesigners.“– Dr. Gerhard Greiner-Bär, Heimat- und Geschichtsverein Lauscha e.V.
In Lauscha ging die wichtigste Strömung auf die Gefäßgestaltung mit der Tendenz zu den sogenannten heißen Techniken. Die Verarbeitung des zähflüssigen, heißen Glases am Ofen bestimmt weitgehend die künstlerische Glasgestaltung. Malerische und graphische Dekore werden dabei mit verschiedenen Überfangtechniken erzeugt – eine Tradition, die sich nahtlos in die jahrhundertealte Glasmacherkunst Lauschas einfügt.
Nach Ausbildung als Kunstglasbläser, Studium an der Fachschule für Glasgestaltung und Meisterprüfung.
In den USA entsteht das erste Modell eines Studioschmelzofens. Die amerikanische Studioglasbewegung beginnt.
Volkhard Precht erhält den Titel „Kunstschaffender im Handwerk“ – eine Anerkennung seiner künstlerischen Leistung.
Volkhard Precht baut mit Hilfe erfahrener Glasmacher und Techniker den ersten Studioglasofen Europas – ohne Kenntnis der US-Entwicklungen. Renate Precht arbeitet von Anfang an mit.
Precht wird Vollmitglied des VBK – seine Glasgefäße werden als bildende Kunst anerkannt.
Erster Nachfolger: Bechmann verwirklicht seinen Traum vom eigenen Ofen mit eigenen Gemengesätzen und Kombinationstechniken.
Ein weiterer Künstler mit eigenem Ofen – Knye strebt nach linearer Sparsamkeit und graphischer Plakativität.
Nach Studium an der Burg Gibichenstein beginnt die nächste Generation am Precht-Ofen mit eigenen Kunstwerken.
Der Pionier der europäischen Studioglasbewegung hinterlässt ein Lebenswerk von internationaler Bedeutung.
Die Tradition der heißen Techniken lebt weiter. Gefäßgestaltung am Ofen mit Überfangtechniken bleibt die künstlerische Hauptrichtung.
Von der väterlichen Werkstatt über den ersten Studioglasofen Europas bis zu einer ganzen Generation freier Glaskünstler – die Geschichte der Studioglashütten in Lauscha ist eine Geschichte des künstlerischen Mutes. Was Volkhard Precht 1963 in seinem kleinen Ofen begann, wuchs zu einer Bewegung, die sich über Jahrzehnte und Generationen erstreckt. Das zähflüssige, heiße Glas am Ofen – geformt von Künstlerhänden nach eigenen Entwürfen – das ist die Essenz der Lauschaer Studioglasbewegung. Glaskunst beGREIFEN – das heißt hier: Kunst am Ofen erleben.
Alles Wissenswerte über die Geschichte der Studioglashütten in Lauscha finden Sie in der Publikation des Heimat- und Geschichtsvereins.
Publikation
„Die einheimische Studioglasbewegung“
Autor
Dr. Gerhard Greiner-Bär
Herausgeber
Heimat- und Geschichtsverein Lauscha e.V.
Preis
5,00 € / 7,50 € / 12,50 € je Heft
Bezugsquelle
Heimat- und Geschichtsverein Lauscha e.V., Ringstraße 16, 98724 Lauscha · Tel. 036702 21777
ATELIER SpissKist, Straße des Friedens 15, 98724 Lauscha
Reservierung unter: 0171-433 29 82 oder per E-Mail:
rita.worm@lauscha-glaskunst.com
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