Lauscha – die Wiege der Glasspinnerei. Die Erfindung der Glasfaser ist eng verbunden mit der Entstehung des gläsernen Christbaumschmuckes. Aus den zarten Schwanzfedern gläserner Vögel wurde eine Weltinnovation – ein Erfolg für Kunsthandwerk und Industrie, der seinen Ursprung in der Werkstatt eines 16-jährigen Lauschaer Glasbläsers hat.
In den ersten Jahren der Herstellung von Glasvögeln als Christbaumschmuck wurde der Schwanz der Vögel mit natürlichen Vogelfedern ausgestattet. Doch das große Sonneberger Handelshaus Cuno & Otto Dressel – einer der wichtigsten Verleger für Lauschaer Glaswaren – hatte 1843 eine andere Idee: Die Schwanzfedern der Glasvögel sollten aus Glas gefertigt werden. Das Anliegen ging an die Glasbläserfamilie Johann Greiner-Adam.
Bald ersann man die Möglichkeit, aus Glas ganz feine Fäden zu ziehen – das sogenannte Feen- oder Engelshaar. Vogelschwänze werden seither aus zugeschnittenen Glasfasern, also lang ausgezogenen Glasfäden, gefertigt. Doch wer sollte das scheinbar Unmögliche möglich machen?
1843 – Der Auftrag, der alles veränderte
Das Sonneberger Handelshaus Cuno & Otto Dressel – als Verleger einer der größten Auftraggeber für Lauschaer Glaswaren – wandte sich an seinen Lieferanten, die Glasbläserfamilie Johann Greiner-Adam, mit einem konkreten Wunsch: Die Schwanzfedern der gläsernen Christbaumvögel sollten nicht mehr aus echten Vogelfedern bestehen, sondern aus Glas.
Ein Auftrag, der einfach klang – aber eine Revolution auslösen sollte.
Erste Versuche in der Glasbläserwerkstatt verliefen nicht zufriedenstellend – bis sich der damals 16-jährige Sohn der Familie der Sache annahm: Guido Greiner-Adam. Ihm gelang, entgegen allen Voraussagen und nach vielen Versuchen, das scheinbar Unmögliche.
Aus einem erhitzten, glühenden Glasstück zog Guido feinste Fäden heraus, legte sie zusammen, verklebte sie – und schon war die Glasfaser und der gläserne Vogelschwanz praktisch erfunden. Was als Auftrag für Christbaumschmuck begann, wurde zur Grundlage einer völlig neuen Industrie.
Die Theorie der Glasfaserherstellung war zwar schon im 17. Jahrhundert bekannt – beim Physiker Robert Hooke (1713) und bei Reaumur. Es kann als ausgeschlossen gelten, dass der junge Guido diese Theorien kannte. Er erfand die Glasfaser praktisch neu – aus reinem Erfindergeist.
In der gängigen Literatur wird um 1850 der Franzose Julius de Brunfaut erwähnt, der den „Spinnapparat“ erfunden haben soll. Aber zu dieser Zeit fertigte der junge Guido schon längst die Glasfasern mittels seiner Vorrichtung. Lauscha war der Welt voraus – wieder einmal.
Die Mechanisierung der Faserherstellung ließ nicht lange auf sich warten. Indem von erhitzten Glasstäben dünne Glasfäden abgezogen und diese kontinuierlich mit und auf einem Holzrad aufgewickelt wurden, entstand ein effizienter Produktionsprozess.
Glasstäbe werden über der Flamme zum Glühen gebracht
Feinste Glasfäden werden aus dem glühenden Glas gezogen
Kontinuierliches Aufwickeln auf ein Holzrad
Glasfasern werden zu Flächengebilden versponnen
Die „normalen“ Glasfasern wurden nicht nur für die Vogelschwänze verwendet. Sie waren die Grundlage für den Lauschaer Glasfaser-Christbaumschmuck und fanden Verwendung zum Verspinnen der Glasfaser zu Flächengebilden – Stoffe, Textilien und Dekorationen aus Glas, die in der ganzen Welt für Staunen sorgten.
Einige Jahre später gelang Guido Greiner-Adam auch die Herstellung des bekannten Engels- oder Feenhaars. Dazu wurden aus zwei Glasstäben mit verschiedenen Längenausdehnungskoeffizienten eine Faser gezogen, die gelockte Form annahm – jenes zarte, silbrig schimmernde Engelshaar, das bis heute zu Weihnachten Christbäume schmückt.
Die Lauschaer Glasfasern fanden bald Verwendung weit über den Christbaumschmuck hinaus. Was aus den feinen Fäden alles gefertigt wurde, grenzt an das Unglaubliche:
Vereinsfahne „Frohsinn“ (1881)
Abendkleid für Georgia Cayven (1883)
Möbelstoffe & Vorhänge
Schirmstoffe
In Lauscha wurden die Glasfasern nicht nur für Kunsthandwerk und Dekoration eingesetzt. Bald entdeckte man auch industrielle Anwendungen: Bürsten, Pinsel und Polierscheiben für die Porzellanindustrie wurden aus Glasfasern hergestellt, ebenso Fasern zur Filtration von Säuren – eine wichtige Anwendung für die chemische Industrie.
Vogelschwänze, Engelshaar, Glasfaser-Dekorationen
Möbelstoffe, Vorhänge, Schirmstoffe, Abendkleider
Feenhaar, Flächengebilde, Vereinsfahnen
Glasfaser-Bürsten für Handwerk und Industrie
Für die Porzellanindustrie
Säurefiltration, Glaswolleindustrie ab 1921
Den Sprung von der Glasfaser zur Glaswollindustrie schaffte 1921 der Lauschaer Septimius Koch. Aus der Glasfaserproduktion ging durch ihn die Glaswolleindustrie zur Isolation hervor – ein Industriezweig, der bis heute weltweit Bedeutung hat. Glaswolle als Dämmstoff für Bau und Technik – geboren in Lauscha.
Von den zarten Schwanzfedern gläserner Christbaumvögel über Abendkleider und Vereinsfahnen bis zur modernen Dämmstoffindustrie – die Lauschaer Glasfaser hat eine Reise hinter sich, die ihresgleichen sucht.
Die Physiker Robert Hooke (1713) und Reaumur beschreiben die theoretische Herstellung von Glasfasern. Praktisch umgesetzt wird es noch nicht.
Das Sonneberger Handelshaus bittet die Familie Johann Greiner-Adam, Schwanzfedern für Glasvögel aus Glas zu fertigen. Der 16-jährige Guido nimmt sich der Aufgabe an.
Aus einem glühenden Glasstück zieht der junge Guido feinste Fäden – die Glasfaser und der gläserne Vogelschwanz sind praktisch erfunden.
Der Franzose Julius de Brunfaut wird in der Literatur als Erfinder des Spinnapparats erwähnt – doch Guido fertigte seine Glasfasern längst vorher.
Glasfäden werden von erhitzten Glasstäben abgezogen und kontinuierlich auf einem Holzrad aufgewickelt – effiziente Massenproduktion.
Guido gelingt die Herstellung gelockter Glasfasern aus zwei Glasstäben mit verschiedenen Längenausdehnungskoeffizienten – das Engelshaar ist geboren.
Der Lauschaer Gesangverein „Frohsinn“ erhält eine vollständig aus Glasfasern gefertigte Vereinsfahne – heute im Museum zu bewundern.
Für die amerikanische Schauspielerin Georgia Cayven wird ein Abendkleid aus Lauschaer Glasfasern gefertigt – eine internationale Sensation.
Glasfaser-Bürsten, Pinsel, Polierscheiben für Porzellan und Glasfasern zur Säurefiltration werden in Lauscha gefertigt.
Der Lauschaer Septimius Koch entwickelt aus der Glasfaserproduktion die Glaswolleindustrie zur Isolation – ein neuer Industriezweig ist geboren.
Lauschaer Familien-Glasspinnereien sind in der Dokumentation des Heimat- und Geschichtsvereins dokumentiert. Die Vereinsfahne von 1881 ist im Lauschaer Museum zu bewundern.
Alles Wissenswerte über die Geschichte und die Entwicklung der Glasfaser in Lauscha finden Sie in der Publikation des Heimat- und Geschichtsvereins, verfasst von Jürgen Müller-Blech.
ATELIER SpissKist, Straße des Friedens 15, 98724 Lauscha
Reservierung unter: 0171-433 29 82 oder per E-Mail:
rita.worm@lauscha-glaskunst.com
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