Von Erfolg gekrönt durch die Kreativität der Menschen. In der relativen Abgeschiedenheit des Unterlandes bildete sich ein ganz besonderes Völkchen heraus: arbeitssam, naturliebend, streitbar, obrigkeits-distanziert und musikliebend. Sie betrachteten die Wälder, die darin lebenden Tiere und den Fischreichtum der Bäche als Allgemeingut – und gerieten dadurch sehr oft mit der Obrigkeit aneinander. Das ist die Geschichte von Unterlauscha.
Die Entstehung des Lauschaer Stadtteils Unterlauscha – oder wie es im Lauschaer Sprachgebrauch heißt: „das Unterland“ – beruht auf drei völlig unabhängigen Ereignissen. Kein großer Plan, keine zentrale Gründung, sondern drei Geschichten, die sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer einzigen verwoben haben.
Am 16. August 1604 erhält der Kaufmann Thomas Paul aus Kärnten die Konzession zum Bau eines Hochofens – die Montanindustrie hält Einzug in Lauscha.
Die Lauschaer Glasmeister bauen eine Mahlmühle, die später „Wiesleinsmühle“ heißen wird. 1743 folgt die Glasschleifmühle von Georg Friedrich Knye.
Mehrere Schachtelmacherfamilien aus Steinheid siedeln sich in der Unterlandstraße an und bringen einen neuen Beruf nach Lauscha.
Noch bevor die Schachtelmacher kamen, noch bevor die Mühle stand, schlug bereits 1604 die eigentliche Geburtsstunde des Unterlandes. Am 16. August jenes Jahres erhielt der Kaufmann Thomas Paul – auch Paulus genannt –, der aus Kärnten stammte, vom Herzog Johann Casimir zu Sachsen-Coburg die Konzession zum Bau eines Hochofens. Damit hielt die Montanindustrie Einzug in Lauscha.
Der Bauplatz des Hochofens war die Stelle „unter dem Lauschenberg“, wo die „Lauschaw und Steinach zusammenschießen“, wie es in der Konzession heißt – eine poetische Beschreibung des Zusammenflusses zweier Bäche, die gleichzeitig dem Unterland seinen Namen gab. Das zu verhüttende Eisenerz wurde aus zwei Zechen auf dem Tierberg abgebaut, die notwendigen Zuschlagsstoffe Quarzsand und Kalk kamen aus Steinheid und Mengersgereuth, und die Holzkohle wurde in den umliegenden Wäldern mittels Köhler-Meiler hergestellt.
Der Hochofen wurde bis etwa 1780 betrieben – fast 180 Jahre lang. Das Terrain des Hüttenwerkes nebst zwei Wohnhäusern und mehreren Nebengebäuden gehörte lange zu Obersteinach und wurde erst im Revolutionsjahr 1848 offiziell zu Lauscha angeschlossen.
„Das Unterland war schon immer ein Ort für Eigensinnige: Menschen, die den Wald als ihr Wohnzimmer betrachteten, die Fische im Bach als ihr Abendessen – und die Obrigkeit als etwas, das man am besten auf Abstand hält.“– nach Dr. Gerhard Greiner-Bär, Heimat- und Geschichtsverein Lauscha e.V.
In der relativen Abgeschiedenheit des Unterlandes formte sich über die Jahrhunderte ein ganz eigener Menschenschlag. Die Unterländer waren keine Leute, die sich gern etwas sagen ließen. Sie waren fleißig, aber auf ihre eigene Art. Naturverbunden, aber nicht romantisch – der Wald war ihr Arbeitsplatz, die Bäche ihre Nahrungsquelle. Streitbar, wenn es um ihre Rechte ging. Und musikliebend, als gäbe es keinen Morgen.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Schachtelmacherei als Heimarbeit in fast allen Haushalten des Unterlandes beheimatet. Die Schachteln – runde, aus dünnem Holz gefertigte Behältnisse – waren unentbehrlich für den Transport und die Verpackung der empfindlichen Glaswaren. Ohne den Schachtelmacher hätte der Glasmacher seine Ware nicht sicher in die Welt schicken können.
Doch dann setzte sich die Verarbeitung des Glases an der Lampe durch. Statt Schachteln zu formen, formten die Unterländer nun Glas: Puppenaugen, die Kindern weltweit das Leuchten in die Augen zauberten. Christbaumschmuck, der die Weihnachtsstuben bis Übersee erhellte. Und schließlich Glaskunst – freie, kreative Arbeiten, die den Geist des Unterlandes in sich trugen: eigensinnig, schön und wie aus einer anderen Welt.
Eine bemerkenswerte Ausnahme von der Glaskunst-Tradition war die Gründung des „Walter-Funk-Werkes“ durch Hermann Greiner-Pachter im Jahr 1946, der Radiogeräte herstellte und zeitweise bis zu 200 Arbeitskräfte beschäftigte – ein Stück Industriegeschichte mitten im Glasmacherdorf.
Der Kaufmann Thomas Paul aus Kärnten erhält von Herzog Johann Casimir zu Sachsen-Coburg die Konzession zum Bau eines Hochofens „unter dem Lauschenberg“. Die Montanindustrie hält Einzug.
Die Lauschaer Glasmeister bauen eine Mahlmühle, die später als „Wiesleinsmühle“ bekannt wird – eine der frühesten Besiedlungen des Unterlandes.
Mehrere Schachtelmacherfamilien siedeln sich in der Unterlandstraße an und bringen den Beruf des Schachtelmachers nach Lauscha.
Der Hohlglasschleifer Georg Friedrich Knye baut eine Glasschleifmühle im „Grund unter der Wiesleinsmühle“.
Nach rund 180 Jahren Betrieb wird der Hochofen stillgelegt. Die Eisenverhüttung weicht endgültig dem Glas.
Im Revolutionsjahr wird das Hüttenwerk-Terrain offiziell von Obersteinach nach Lauscha eingemeindet.
Bau der Eisenbahnstrecke Lauscha–Ernstthal: Viadukt, denkmalgeschützte Nassentellebrücke und der 275 m lange Lauschensteintunnel entstehen.
Die Schachtelmacherei weicht der Glasverarbeitung an der Lampe: Puppenaugen, Christbaumschmuck und Glaskunst entstehen.
Hermann Greiner-Pachter gründet ein Radiogerätewerk, das zeitweise bis zu 200 Arbeitskräfte beschäftigt – Industriegeschichte im Glasmacherdorf.
Die ausführliche Geschichte des Unterlandes ist im Heimatheft des Heimat- und Geschichtsvereins Lauscha e.V. dokumentiert – verfasst von Dr. Gerhard Greiner-Bär, Nachfahre der Gründerfamilie Greiner.
ATELIER SpissKist, Straße des Friedens 15, 98724 Lauscha
Reservierung unter: 0171-433 29 82 oder per E-Mail:
rita.worm@lauscha-glaskunst.com
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