Im tiefen Thüringer Wald, wo die Wälder reichlich Holz gaben, der Lauschabach die Mühlen antrieb und der alte Handelsweg Rennsteig die Verbindung zur Welt sicherte, begann vor über vier Jahrhunderten eine Geschichte, die bis heute leuchtet. Eine Geschichte aus Feuer und Sand, aus Mut und Erfindergeist. Die Geschichte der Dorfglashütte zu Lauscha – und damit die Geburtsstunde eines ganzen Ortes.
Die Geschichte Lauschas beginnt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als zwei Männer mit ihren Familien den Weg ins heutige Lauschatal fanden: Hans Greiner, den man „Schwaben-Hans“ nannte, und Christoph Müller, Glasmacher von Beruf. Sie erkannten, was dieser abgelegene Ort im Thüringer Wald zu bieten hatte – nicht Reichtum im üblichen Sinne, sondern die natürlichen Zutaten für ein Handwerk, das die Welt verändern sollte: Holz in Hülle und Fülle als Brennstoff für die Öfen, Quarzsand für die Glasschmelze und das klare Wasser des Baches für die Mühle, die alles am Laufen hielt.
Die Siedlungsversuche links und rechts des Lauschabaches begannen in den 1590er Jahren – bescheiden, mühsam, mit bloßen Händen dem Wald abgetrotzt. Es war kein leichtes Leben. Die Arbeit in der Glashütte war hart und die Beschaffung der Materialien beschwerlich. Doch die Familien Greiner und Müller hielten durch, getrieben von der Überzeugung, dass aus Sand und Feuer etwas Wunderbares entstehen kann.
Einer der beiden Gründerväter Lauschas. Kam mit seiner Familie ins Lauschatal und legte gemeinsam mit Christoph Müller den Grundstein für die Glasmachertradition, die bis heute andauert.
Zusammen mit Hans Greiner ließ er sich im Lauschatal nieder. Sein Handwerk und sein Wissen um die Glasherstellung waren das Fundament, auf dem eine ganze Siedlung entstand.
„Die Dorfglashütte war nicht einfach ein Gebäude – sie war das schlagende Herz einer Gemeinschaft. Um sie herum entstand ein ganzer Ort, eine Kultur, eine Tradition, die über vier Jahrhunderte lebendig geblieben ist.“– Jürgen Müller-Blech, Heimat- und Geschichtsverein Lauscha e.V.
Im Jahre 1597 geschah etwas Entscheidendes: Herzog Casimir von Coburg erteilte die schriftliche Konzession zum Betreiben der „Dorfglashütte“. Dieses Dokument war weit mehr als eine Betriebserlaubnis – es war gleichzeitig die offizielle Gründungsurkunde Lauschas. Ein einziger Federstrich, der einen Ort zum Leben erweckte. Denn mit der Konzession begann nicht nur die Glasproduktion, sondern die Entstehung einer Gemeinschaft. In den Folgejahren wurde die Konzession zu Gunsten der Glasmacher verändert und erweitert, und so wuchs die Siedlung um die Hütte rasch.
Die Glashütte war ein Wunderwerk ihrer Zeit. In ihr standen der große Schmelzofen, in dem bei glühender Hitze aus Quarzsand, Pottasche und Kalk flüssiges Glas entstand, und der Kühlofen, in dem die fertigen Stücke langsam und kontrolliert abkühlen mussten, damit sie nicht zersprangen. Um als Hütte überleben zu können, mussten die Glasmacher ein breites Sortiment fertigen – von kleinen Arzneifläschchen für die Apotheker über Trinkgläser für die Tafel bis hin zu Fenster- und Butzenscheiben für Kirchen und Bürgerhäuser.
Später kamen Glasmärbel (Murmeln) hinzu – Spielzeug, das Kinderherzen höherschlagen ließ – sowie Glasstäbe und Glasröhren, die als Halbfabrikate für andere Handwerker und den wachsenden wissenschaftlichen Bedarf dienten.
Kleine Glasfläschchen für Apotheker und Heiler – lebensnotwendig in einer Zeit ohne Plastik
Mundgeblasene Gläser für die Tafel – ein Luxus, der die Hütte am Leben hielt
Licht für Kirchen und Bürgerhäuser – jede Scheibe ein Meisterwerk der Glasmacher
Die legendären Lauschaer Glasmurmeln – Spielzeug, das Kinderherzen eroberte
Halbfabrikate für Handwerker und die aufkommende Wissenschaft
Später die berühmteste Erfindung – die gläserne Weihnachtskugel, geboren in Lauscha
Die Söhne der Gründer Lauschas trugen das Glasmacherhandwerk hinaus. Sie errichteten weitere Glashütten im Raum Thüringen und Franken – und schufen damit ein Netzwerk aus Wissen, Handel und Familienverbindungen, das weit über das Lauschatal hinausreichte. Die neuen familiären Bande brachten auch neue Berufe nach Lauscha: Glasmaler kamen, die den schlichten Gläsern Farbe und Kunstfertigkeit gaben, und Schachtelmacher, die für die sichere Verpackung und den Transport der zerbrechlichen Ware sorgten.
Der Ort und seine Einwohner wuchsen stetig. Anfang des 18. Jahrhunderts bekam Lauscha seine erste Kirche und Pfarrei – ein Zeichen dafür, dass aus der kleinen Glasmachersiedlung ein richtiger Ort geworden war. Bevor eine erste Schule gebaut wurde, erhielten die Kinder Unterricht von ausgewählten Glasmeistern – das Handwerk und die Bildung waren von Anfang an untrennbar miteinander verbunden.
Hans Greiner und Christoph Müller lassen sich mit ihren Familien links und rechts des Lauschabaches nieder. Die natürlichen Bedingungen – Holz, Wasser, die Nähe zum Rennsteig – geben den Ausschlag.
Herzog Casimir von Coburg erteilt die schriftliche Konzession zum Betreiben der „Dorfglashütte“. Gleichzeitig ist dies die offizielle Gründungsurkunde des Ortes Lauscha.
Die Konzession wird zu Gunsten der Glasmacher verändert. Die Siedlung um die Hütte wächst rasch. Neue Familien ziehen zu, neue Berufe entstehen.
Die Söhne der Gründer errichten weitere Glashütten in Thüringen und Franken. Glasmaler und Schachtelmacher kommen nach Lauscha.
Lauscha erhält seine erste Kirche und Pfarrei. Glasmeister unterrichten die Kinder, bevor eine eigene Schule gebaut wird.
Nach über drei Jahrhunderten muss die historische Dorfglashütte abgerissen werden. Ihr Erbe aber lebt weiter – in jedem Glasstück, das in Lauscha entsteht.
Nach über 300 Jahren musste die historische Dorfglashütte schließlich abgerissen werden. Doch was sie hinterlassen hat, ist unzerstörbar: ein Handwerk, das zur Kunst wurde. Eine Tradition, die zum UNESCO Immateriellen Kulturerbe zählt. Und einen Ort, der bis heute lebt, atmet und gestaltet – weil Menschen wie Hans Greiner und Christoph Müller den Mut hatten, im Wald ein Feuer zu entfachen und aus Sand etwas Unvergängliches zu schaffen.
Heute führen Glasmacher wie die im ATELIER SpissKist diese Tradition fort. Was vor über 400 Jahren als Dorfglashütte begann, lebt weiter – an der Flamme, im Glas, in den Händen derer, die das Handwerk beGREIFEN und an die nächste Generation weitergeben. Persönlichkeiten wie Dr. Gerhard Greiner-Bär – Nachfahre der Gründerfamilie – und der Chronist Jürgen Müller-Blech bewahren die Geschichte und tragen dazu bei, dass Lauscha nie vergisst, woher es kommt.
Die ausführliche Geschichte der Dorfglashütte und der Gründerfamilien ist im Heimatheft des Heimat- und Geschichtsvereins Lauscha e.V. dokumentiert – verfasst von Jürgen Müller-Blech, dem Chronisten und Hüter der Lauschaer Geschichte.
ATELIER SpissKist, Straße des Friedens 15, 98724 Lauscha
→ Termin vereinbaren unter: 0171-433 29 82 oder per E-Mail:
rita.worm@lauscha-glaskunst.com
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